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Praxistipps

Inklusion – Was heißt das für den Sportverein?

Jeder Sportverein ist anders, ob groß oder klein, Mehrsparten- oder Einspartensportverein, Mannschafts- oder Individualsportverein. Doch jeder Sportverein stellt sich die Frage, wie er sich in der Zukunft aufstellen soll.

 

Der Grundgedanke der Inklusion soll Sportvereine ermutigen, Voraussetzungen für Inklusion zu schaffen. Wir wollen motivieren, das Geschehen im Sportverein an sich und auch das eigene Sportangebot oder die Gruppe zu überprüfen, ob und wie eine Öffnung gelingen kann. Dabei soll der Sportverband/-verein als Lebenswelt so gestaltet sein, dass die Interessen, Sichtweisen und Möglichkeiten der verschiedenen, in seinem Umfeld lebenden, Zielgruppen berücksichtigt werden (Sozialraumorientierung).

 

Eines steht fest: Sportvereine sind ideale Plattformen, um Inklusionsprozesse zu initiieren. Einige ermöglichen bereits jetzt personelle, räumliche, organisatorische Bedingungen für eine gleichberechtigte Teilnahme.

 

Praxistipps für Inklusionsgruppen

Wer kann Inklusionssportgruppen anbieten?

Inklusive Sportgruppen kann jeder Träger von Sportgruppen oder Sport-veranstaltungen anbieten, soweit geeignete Räumlichkeiten (je nach Sportart unter schiedlich) und motivierte Übungsleiter vorhanden sind.

 

Wer kann inklusive Sportgruppen trainieren und welche Voraussetzungen brauchen ÜbungsleiterInnen bzw. TrainerInnen?

  • Übungsleiter-Lizenz der jeweiligen Sportart

  • Pädagogisches Geschick im Umgang mit (Sport-)Gruppen,

  • Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit Behinderung

  • Grundlagen der ersten Hilfe

 

ÜbungsleiterInnen zu finden, die über alle optimalen Voraussetzungen verfügen, ist schwierig. Es empfiehlt sich, eher zwei bis drei ÜbungsleiterInnen (je nach Gruppengröße) zu finden, die Erfahrungen in jeweils einem oder mehreren der Bereiche aufweisen können und offen sind, sich gegenseitig zu ergänzen und von einander zu lernen.

 

Wie viele Helfer brauche ich und woher kommen diese?

Auch die Anzahl der Helfer ist abhängig von der Sportgruppe und der Sportart, die betrieben werden soll. Außerdem spielt mit hinein, wie groß der Aufwand um den Sport herum ist. Faktoren, die die Anzahl und Anforderungen an Helfern beeinflussen, sind u.a. die: Anzahl der Sportler, Komplexität der zu bewältigenden Aufgaben, d. h. Betreuungsaufwand der SportlerInnen, gibt es z. B. SportlerInnen, die eine stetige Aufmerksamkeit und Betreuung erfordern, Barrierefreiheit der Sportstätte , Selbstständigkeit der Sportler während der Trainingszeit, aber auch außerhalb beim Umziehen, bei Wegen zur und von der Sportstätte, Aufgaben, die außerhalb der Trainingszeit anfallen, wie z. B. Austausch mit Eltern oder Betreuern, Organisation von Turnier- oder sonstigen Ausfahrten

 

Je höher der jeweilige Aufwand ist, desto mehr sollten sich ÜbungsleiterInnen durch HelferInnen unterstützen lassen.

 

Muss eine besondere Versicherung abgeschlossen werden?

Wenn die SportlerInnen mit Behinderung im Verein Mitglied sind, sind sie über die Vereinsversicherung abgesichert. Es muss keine zusätzliche Versicherung abgeschlossen werden. Der Übungsleiter sollte aber sicherstellen, dass die SportlerInnen bei der Teilnahme am Training selbst krankenversichert und auch haft-pflichtversichert sind.

 

Brauche ich ein ärztliches Attest von den Athleten?

Um „auf der sicheren Seite“ zu sein, kann man sich von den TeilnehmerInnen der Sportgruppe einen Nachweis zur allgemeinen Sporttauglichkeit vorlegen lassen, dies ist jedoch keine Pflicht.

 

Ebenso sieht es aus, wenn die Sportangebote über die Rehasport-Verordnung bezuschusst werden sollen. Hierzu muss beim Behindertensportverband die Behinderung des Sportlers belegt werden, da die Zuschüsse mit der Krankenkasse des Sportlers abgerechnet werden. Generell sollten ÜbungsleiterInnen aber über die verschiedenen Beeinträchtigungen, die die SportlerInnen (ob mit oder ohne Behinderung) haben, Bescheid wissen. Zum einen hilft es bei Notfällen weiter, wenn man auf auftretende Probleme sofort angemessen reagieren kann. Zum anderen hilft es aber auch, die Anforderungen im Training gut zu dosieren und die SportlerInnen nicht zu über- oder unterfordern.

 

Wo kann man inklusive Sportgruppen im Verein integrieren?

Generell gibt es zwei Möglichkeiten, die Sportgruppe im Verein zu integrieren: die Gruppe wird der jeweiligen Abteilung im Verein zugeordnet, z. B. die Kanugruppe der Abteilung Kanu, die Fußballgruppe der Abteilung Fußball usw. oder der Verein hat eine Abteilung „Inklusionssport“,Die Integration in die jeweilige Sport-Abteilung des Vereins fördert die Einbindung in den Verein und setzt den Fokus nicht auf das Thema „Behinderung“, sondern auf den Fokus „Sportart“. Zudem ist die Sportgruppe dann auch in die sportspezifische Fach-verbandsarbeit eingebunden (Fort- und Ausbildung, lokaler/regionaler Wettbewerbsbetrieb).Bei einer Ansiedlung in einer Abteilung „Inklusionssport“ ist eher eine Anbindung an die Behinderten-sportverbände gegeben, die sich an den paralympi-schen Sportarten und dem Rehasport orientieren. Der Fokus liegt eher auf dem Thema „Behinderung“ und weniger im sportartenspezifischen Bereich. Andererseits gibt diese Orientierung aber die Möglichkeit der Förderung durch die Rehasport-Verordnung oder es ließe sich ein Vereinsbeitrag realisieren, der an die oftmals sehr eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung angepasst ist.

 

Was sind die besonderen Herausforderungen an den Trainer von inklusivenTeams?

Eine wichtige Aufgabe für TrainerInnen und ÜbungsleiterInnen besteht in der Berücksichtigung der Heterogenität in der Leistungsfähigkeit der SportlerInnen. Hiermit ist gemeint, dass die Unterschiedlichkeit von Personen innerhalb der Trainingsgruppe zu berücksichtigen ist. Wichtige Aspekte sind z.B. der individuelle Stand der sportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die unterschiedlich schnelle Auffassungsgabe, die unterschiedliche Einstellung zum Sporttreiben oder auch der individuelle Gesundheitszustand. Niemand sollte in einer Sportgruppe überfordert sein, aber im Gegensatz sollen sich die leistungsstärkeren TeilnehmerInnen auch nicht langweilen oder sich unterfordert fühlen.

 

Diese Heterogenität ist nicht nur in inklusiven Sportgruppen, sondern in nahezu allen Freizeitsport-gruppen im Breitensport vorzufinden und stellt eine der größten Herausforderungen für die Leitung der Gruppe dar.

 

Ein Mittel, alle SportlerInnen weiter zu fordern und zu fördern ist, innerhalb des Trainings zu differenzieren und z. B. eine Übung in verschiedenen Schwierigkeitsgraden anzubieten. Je heterogener die Leistungsfähigkeit innerhalb einer Trainingsgruppe wird, desto wichtiger ist eine Differenzierung innerhalb des Trainings, um niemanden aus der Sportgruppe zu verlieren, weil der Spaß am Sport verloren geht.

 

Weiterführende Informationen- Download:

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